Von David Kidd, BPR

Ein guter Koch weiß, dass erstklassige Zutaten allein noch lange kein hervorragendes Gericht ergeben.
Der letzte Schritt ist das Anrichten – also die Art und Weise, wie das Essen dem Gast auf dem Teller präsentiert wird.
Der Koch überlegt genau, welche Zutaten zusammenpassen, wie Aromen, Texturen und Farben miteinander harmonieren und wie groß die einzelnen Portionen sein sollten. Selbst mit den besten Zutaten kann das Ergebnis enttäuschend sein, wenn man einfach alles wahllos auf den Teller wirft.
Beim Musikradio funktioniert es ganz genauso.
Ein Sender kann über eine hervorragend getestete Musikbibliothek mit Hunderten von Songs verfügen, die sein Publikum liebt. Doch das allein garantiert noch lange keinen Radiosender, der sich wirklich gut anhört.
Einen Musikplan sorgfältig zusammenzustellen bedeutet, über die Frage hinauszugehen, ob jeder einzelne Song seinen Platz verdient. Entscheidend ist vielmehr, wie die Songs miteinander funktionieren.
Was passiert, wenn auf einen langsamen Song direkt der nächste folgt? Häufen sich zu viele Titel aus derselben Ära hintereinander? Wird ein unbekannter neuer Song zwischen zwei Titeln platziert, die in den Musiktests ohnehin schwächer abschneiden? Kommen bestimmte Musikstile oder Genres zu geballt vor?
Jeder einzelne Song mag für sich genommen vollkommen in Ordnung sein. Zusammen können sie jedoch eine ganze Stunde Radio ziemlich schlecht klingen lassen.
Genau deshalb sollte Musikplanung niemals darauf reduziert werden, Regeln in eine Software einzugeben und anschließend einfach auf „Planen“ zu klicken.
Planungssoftware ist hervorragend darin, vorgegebene Regeln zu befolgen. Sie weiß deshalb aber noch lange nicht, wie sich wirklich gutes Radio anhört.
Die besten Music Directors planen nicht einfach nur Songs. Sie hören den Musikplan bereits in ihrem Kopf.
Sie verstehen Tempo, Kontraste, Vertrautheit und musikalischen Fluss. Sie wissen, wann der Sender mehr Energie braucht und wann es Zeit ist, etwas Luft zu lassen.
Vor allem aber betrachten sie das Ergebnis aus der Perspektive der Hörer.
Ein Restaurantgast interessiert sich nicht dafür, wie ausgeklügelt das Warenwirtschaftssystem der Küche ist. Ihm kommt es darauf an, was am Ende auf seinem Teller landet.
Bei Radiohörern ist das nicht anders.
Sie interessieren sich nicht für eure Planungssoftware, Rotationsberechnungen, Abstandsregeln oder die Methodik hinter den Musiktests.
Sie hören einfach das, was aus den Lautsprechern kommt.
Großartige Songs sind die Zutaten. Marktforschung hilft bei der Auswahl. Planungssoftware hilft dabei, alles zu organisieren.
Doch irgendjemand muss das Essen am Ende immer noch anrichten.
Und genau hier zeigt sich, was ein wirklich guter Music Director wert ist.
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